Samstag, 24. März 2012
Kapitel 2 (Was ist Liebe)
Janas
Mutter war Drehbuchautorin und musste somit, wenn sie nicht gerade den ganzen
Tag schrieb, zu sämtlichen Drehorten fliegen um bei den Dreharbeiten zuzusehen.
Jana gefiel was ihre Mutter machte, früh schon konnte sie entdecken wie ihre
damaligen Lieblingsfilme wie „Hexe Lilli“ oder „Harry Potter“ gemacht wurden.
Sie selbst hatte noch keine Ahnung, was ihre berufliche Zukunft betraf. Zuerst
einmal besuchte sie die neunte Klasse einer großen Berliner Realschule, auf der
auch fast alle ihre Freunde waren. Sie war keine besonders gute Schülerin, aber
auch nicht besonders schlecht. Sie war also genau im Mittelfeld und hielt sich
in den Nebenfächern gut auf Dreiern. Nur mit Mathe und Chemie hatte Jana seit
der sechsten Klasse zu kämpfen, Mathe war einfach nicht ihres, wahrscheinlich
hatte sie dies von ihrem Vater, denn ihre Mutter war immer super in der Schule
gewesen, sie liebte Mathematik und hatte sich dennoch für einen Job
entschieden, der so gar Nichts mit Chemie oder Mathematik zu tun hatte. Von
ihrem Vater wusste sie nur, dass er wohl sehr künstlerisch veranlagt war, denn
als Jana sechs Jahre alt war hatte sie in der untersten Schublade des
Schlafzimmerschrankes ihrer Mutter drei wunderschöne Gemälde des Waldes hinter
ihrem Haus entdeckt. Als sie ihre Mutter darauf ansprach, sagte sie diese wären
das einzige was ihr Vater hier gelassen habe, als er ging. Jana hatte gemerkt,
dass sie schnell das Thema wechseln sollte, was sie dann auch tat. Jana sprach
ihre Mutter nicht oft auf ihren Vater an, denn sie wusste dass ihre Mutter
schwer mit diesem Verlust zu kämpfen hatte. Doch abends wenn sie alleine in
ihrem großen Bett lag, nach draußen sah und den Wald hinter dem Haus sah, wie
auf den drei Bildern, kamen Jana ein paar Tränen, doch sie wollte nicht weinen,
sie wollte nicht schwach sein, sie war stark. Stark war auch ihr Vater gewesen,
er war kein schwacher Künstler wie ihr jetzt wahrscheinlich denkt, nein.
Eigentlich war ihr Vater Kickboxer. Er schlug die härtesten Typen, die
Schwergewichte, die ganz, ganz harten, denn er, er war der härteste. Jana hatte
ihren Vater niemals weinen sehen, immer nur lachen, er war glücklich gewesen,
er hatte gekämpft, gekämpft und gesiegt. Und ihr Vater hatte ihr, als sie noch
ein kleines Mädchen gewesen war, immer gesagt „Wer kämpft kann verlieren, aber
wer nicht kämpft, der hat schon verloren“. Das war sein Spruch gewesen. Und wenn
Jana Angst hatte oder aufgeben wollte, dachte sie an diese Worte und dann hörte
sie die Stimme ihres Vaters in ihrem Ohr schallen, wie er diesen Spruch sagte,
mit dieser vollen Überzeugung. Und dann bekam Jana Mut, sie wusste dann, dass
sie alles schaffen könne, wenn sie nur wolle.
Und Jana wollte.
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